Viele der heutigen HiFi-Lautsprecher sind mit Bi-Wiring-Anschlüssen ausgerüstet. So auch Burmesters 961 MKII beziehungsweise die HGP Vida.
Wir hörten uns beide Boxen unter anderem mit den originalen
Metallbrücken, Kabel-Jumpern und Adaptern an.
Außerdem prüften wir die SID-CD-Matte, ein CD-Spray und den
„grünen Stift“.
Viele HiFi-Fans kümmern sich nicht um die Bi-Wiring-Terminals ihrer Lautsprecher.
Ein schwerer Fehler, wie der Workshop bei HiFi Play, einem der Berliner STEREO PREMIUM PARTNER, zeigte. Und auch unsere CDs verdienen mehr Aufmerksamkeit.



„Ach, du Schreck! Zuhause schmeiße ich sofort die primitiven Bi-Wiring Blechbrücken meiner Boxen raus. Wenn das nur einen annähernd so großen Gewinn wie im Workshop bringt, hat der Besuch sich schon gelohnt.
Auch das CD-Spray muss ich unbedingt ausprobieren.”

Workshop-Teilnehmer
Reinhard Kunig

 

 

Man stelle sich vor, der neu erworbene Sportwagen käme mit so dünnen Reifen wie eine alte Ente daher, der edle Spiegelreflex-Kamera-Body mit einer primitiven Plastiklinse drauf.

Dass diese deren „Performance“ deutlich schmälern würden, ist offensichtlich, weshalb solche Dinge undenkbar sind. Im HiFi-Sektor leider nicht. Wollen Sie mal eine echte Schwachstelle in Ihrer Anlage sehen? Dann schauen Sie doch einfach aufs Anschlussfeld Ihrer Boxen. Die meisten von Ihnen, liebe Leser, werden dann, sofern Sie an dieser Stelle nicht schon eingegriffen haben, ein so genanntes Bi-Wiring-Terminal mit kurzen, wertig glänzenden, aber dünnen Blechbrücken sehen, die den Kontakt zwischen den jeweils zwei separaten Anschlüssen jedes Pols für den Bass- und Mittel-Hochtonbereich herstellen.

Der überwiegende Teil der so ausgerüsteten Lautsprecher wird nämlich mit nur einem Kabelstrang betrieben. Die Notlösung wird so zur Regel und das Provisorium zur Klangfalle.

Sympathie-Träger
Seit der Gründung von HiFi play vor exakt 25 Jahren macht sich die Firma mit Beratung und perfektem Service beliebt.
Auch die Damen fühlen sich im Studio so gut aufgehoben

Denn diese Übergangsstücke kosten Qualität – und zwar nicht zu knapp. STEREO wetterte schon wiederholt gegen die Praxis der Hersteller, diesen Tinnef einzusetzen, doch es scheint tatsächlich nichts so beständig zu sein wie das Provisorium.

Also muss man sich selbst helfen. Wie das geht, demonstrierten wir im Rahmen eines Workshops bei HiFi Play in Berlin. Dort hatten wir die Option, zwei unterschiedliche Ketten über Single- und Bi-Wiring bis zum Bi-Amping mit zweiter Endstufe aufzurüsten.

Gestartet wurde ganz simpel, indem zum Beweis der Sensibilität dieses Punktes das mit den Original-Billigbrücken bestückte Terminal von HGPs Vida via Arcam-Vollverstärker abwechselnd an den Bass- sowie den Hochtonkontakten angesteuert wurde.
Das sollte in der Praxis keine Rolle spielen, schließlich wandern die Signale quasi mit Lichtgeschwindigkeit zum anderen Anschluss, und auch die Übergangswiderstände sind zu vernachlässigen.



„Nach den Erfahrungen im Workshop kann man sich eigentlich nur fassungslos fragen, weshalb viele Hersteller nach wie vor auf primitive Blechbrücken setzen. Chassis, Gehäuseformen oder Weichen sind wer weiß wie optimiert, und an diesem Punkt herrscht Gleichgültigkeit.”

Workshop-Teilnehmer
Zeljko Novak



„lch bin echt HiFi-begeistert, habe aber nur einen geringen technischen Background, weshalb ich zunächst dachte, die Veran-staltung sei nichts für mich. Aber im Workshop wurden nicht nur interessante Dinge vorgeführt, sondern oben-drein auch anschaulich erklärt. Vielen Dank.”

Workshop-Teilnehmerin
Jaqueline Schönau



„Mein Kumpel hat mich
auf den Workshop mitgeschleppt, und ich bin echt baff, was man nicht alles hören kann. Eigentlich komme ich mehr aus der AV-Ecke, deshalb werde ich die Matte und das Spray jetzt mal im Zusammenhang mit meinen DVDs austesten.”

Workshop-Teilnehmer
Detlef Prien

Trotzdem änderte sich die Wiedergabe drastisch: „Oben“ kontaktiert erschien sie eigenartig fahl und spitz, der Grundtonbereich klang dünn, der übergang von den Mitten in die Bässe war nicht mehr schlüssig. „Unten“ ging’s tonal deutlich besser – das wird in 95 Prozent aller Fälle so sein – doch einen Sprung in der Güte der Raumdarstellung und Ablösung der Musik von den Gehäusen stellte sich erst ein, als wir die Blechbrücken durch Jumper ersetzten, die HiFi play-Chef Michael Strehlau aus seinem hauseigenen Kabel konfektioniert hatte. Auf die reagierten auch Burmesters Boxen dankbar, deren Kontakte immerhin mit soliden Kupferstücken überbrückt waren. Gegen die Jumper hatten aber auch sie keine Chance.

Merke: Blechbrücken rausschmeißen, Kabelersatz als Minimallösung einsetzen, und das LS-Kabel an den Bass-Kontakten anschließen – das kostet fast nichts, und man hört deutlich besser. Wer kein Bi-Wiring will, findet indes in Phonosophies Adaptern die Lösung für das Terminal-Problem. Uns stand die gängige Kupfer-, aber auch die hochwertigere Silber-Version (um 170/2 15 Euro/Paar) zur Verfügung. Mit beiden erweiterte sich das Spektrum nochmals erheblich, die Musik schlüpfte wie aus einem Korsett, entspannte sich und gewann an Natürlichkeit, wobei die Auflösung bei Verwendung des Silber-Adapters gesteigert schien, während die Kupfer-Variante durch ihre dynamische Kompaktheit gefiel. Tipp: Selbst probieren, was am besten in die eigene Kette passt

Im nächsten Schritt taten wir nun erstmals das, wofür Bi-Wiring eigentlich gedacht ist: Wir führten ein zweites LS-Kabel vom jeweiligen Vollverstärker zur Vida beziehungsweise 961 MK 11 und verzichteten so auf Brücken und Adapter.

Tatsächlich legte die Musik an Energie und Ausdruckskraft zu – nicht zuletzt eine Folge des verdoppelten Kabelquerschnitts, aber auch des Fehlens verzerrungsträchtiger Basssignale im „oberen” Kabel. Das Ergebnis hängt nach Erfahrung von STEREO vom Einzelfall ab. In der Arcam/HGP-Kette „funktionierte” das Bi-Wiring aber ebenso überzeugend wie im Burmester-System.

Wichtig: stets zwei identische Kabel verwenden.

Als letzte Ausbaustufe betrieben wir die 961 MK 11 im Bi-Amping-Modus, also mit einer Zusatzlichen, passenden Endstufe zum Vollverstärker. Das brachte eine zuvor ungehörte Gelassenheit und selbstverständliche Akkuratesse ins musikalische Geschehen, dass man meinte, es müsste viel mehr passiert sein, zumal der integrierte Amp pegelmäßig keineswegs gefordert war. Allerdings kostet diese ultimative Lösung, die sich dann anbietet, wenn der vorhandene Vollverstärker über einen Vorstufenausgang verfügt, eine weitere Endstufe. Preislich bescheiden nahmen sich dagegen die Maßnahmen aus, die im zweiten Teil des Workshops den gehörten CDs zugute kamen. So sorgten zum Beispiel SIDs CD-Matte (um 23 Euro), die in die meisten Player passt, oder Perfett Sounds Spray „CD Control“ (um 25 Euro) für deutlich entschärfte obere Lagen. Dies wurde umso auffälliger, je mieser die Discs klangen. „Eisige“ Pop-Produktionen aus den Siebzigern erschienen plötzlich in milderem Licht, wurden geradezu anhörbar. Audiophil klingende Scheiben profitierten ebenso von Matte und Spray, die Verbesserungen wirkten aber nicht so drastisch, weil’s vorher nicht „wehgetan“ hatte.

Im direkten Vergleich zweier identischer CDs, von denen eine mit AudioPrisms „CD Stop Light“-Stift (um 26 Euro) am Rand gegen Streulicht grün eingefärbt war, bewies auch dieser seine Wirksamkeit.